Das 4. Mönchguter Bikertreffen steht vor der Tür. Und weil so ein Wochenende erfahrungsgemäß nicht unbedingt unter die Kategorie „Erholung“ fällt, hängen wir anschließend gleich noch ein paar Tage Urlaub dran.

Wenn man schon einmal da ist.

Schließlich lässt sich Deutschlands größte Insel wunderbar mit dem Motorrad erkunden. Zumindest dann, wenn das Wetter mitspielt.

Aber der Reihe nach.

Tag 01 – Donnerstag – Regenstart, Warntag und die Ruhe vor dem Sturm

Für den Vormittag waren ein paar Wolken und kleinere Regenschauer angekündigt. Bis zu unserer geplanten Startzeit sollten die aber längst durchgezogen sein.

Theoretisch.

Auf das Wetter kann man sich in letzter Zeit offenbar genauso gut verlassen wie auf die Versprechungen unserer Politiker.

Wir beluden das Bike und verstauten unser Gepäck. Die Taschen waren am Ende ähnlich gut gefüllt wie bei unserer zweiwöchigen Irland-Tour. Ob man nun 14 Tage unterwegs ist oder nur acht, macht beim Packen nämlich kaum einen Unterschied. Erst recht nicht im Herbst, wenn von T-Shirt-Wetter bis Frostbeulen eigentlich alles möglich ist.

Also alles eingepackt, Koffer zugeklappt und Maschine angelassen.

Genau in diesem Moment gingen oben die Tore auf.

Und es fing an zu regnen.

Nichts mit „vorher durchgezogen“.

Eisenbahnbrücke im Regen

Da wir aber nicht aus Zucker sind, ging es trotzdem los. Für die Anreise hatten wir uns dieses Mal tatsächlich für die Autobahn entschieden. Wir wollten am Abend bereits unsere Freunde in Göhren treffen, und manchmal muss eben die Vernunft über die schönere Strecke siegen.

Bei mäßigem Verkehr kamen wir gut voran. Bis es um 11 Uhr plötzlich laut in unseren Helmlautsprechern piepte: bundesweiter Warntag.

Schon im Jahr zuvor hatte diese Warnung unsere Intercom lahmgelegt. Damals war der Warntag an einem Freitag – und natürlich genau an jenem Tag, an dem wir ebenfalls nach Göhren gefahren waren.

Das Piepsen ging jedenfalls ordentlich auf die Nerven.

Vielleicht war genau das der Sinn des Tests.

Dann gilt er wohl als bestanden.

Etwa auf halber Strecke nach Berlin legten wir einen kurzen Stopp ein. Stephies Jacke zeigte bei der herbstlichen Fahrt erste Schwächen. Sie klapperte inzwischen wie Espenlaub und brauchte dringend noch eine zusätzliche Schicht.

Das Anziehen gestaltete sich allerdings etwas rustikaler als geplant. Wir „würchten“, wie der Sachse sagt, meinen dicken Motorradpullover über ihre Motorradjacke.

Elegant sah anders aus.

Aber der Zweck heiligt bekanntlich die Mittel. Warm eingepackt konnte es weitergehen.

Unsere Tankstopps verteilten wir entlang der Strecke. Einer davon führte uns am Berliner Ring auf einen Autohof mit Aral-Tankstelle, an dem die Portionen beim Mittagessen ungefähr so dimensioniert waren, als müssten wir anschließend nicht Motorrad fahren, sondern den Rest des Weges schwimmen.

Später hielten wir noch einmal in Altentreptow. Der Stopp mitten in der kleinen Stadt, direkt am Wasser, war deutlich hübscher als die übliche Autobahnraststätte. Altentreptow liegt an der Tollense und ihren Nebenarmen; selbst im Stadtwappen tauchen die drei Wasserläufe auf. Das Wehr an der Tollense gehört laut Einheimischen zu den Orten, die man dort gesehen haben sollte. Für uns war es vor allem eine willkommene Pause mit Aussicht, bevor es wieder auf die Maschine ging.

Am Nachmittag rollten wir schließlich auf die Insel.

Und als hätte Rügen persönlich beschlossen, uns für die nasse Abfahrt zu entschädigen, begrüßte uns dort strahlender Sonnenschein. Gleichzeitig nahm auch das Motorradaufkommen sichtbar zu. Je näher wir Göhren kamen, desto deutlicher wurde: Wir waren nicht die Einzigen, die an diesem Wochenende etwas vorhatten.

Tor zum Mönchgut

In Göhren checkten wir in unserem Hotel ein. Eine richtig geile Herberge – mit Pool, Wellness und allem Drum und Dran. Wie uns unsere Göhrener Freunde später bestätigten, hatten wir uns damit eines der besten Häuser am Platz ausgesucht.

Normalerweise sind wir auch gern bei Freunden im „Odins Blick“ in Lobbe abgestiegen. Ebenfalls ein toller Fleck Erde, mit eigenem Privatstrand an der Ostsee und reichlich Platz, um gemeinsam mit Bikerfreunden ein paar schöne Tage zu verbringen.

Für dieses Wochenende wollten wir allerdings direkt in Göhren wohnen. Wenn rund um das Bikertreffen gefeiert wird, ist eine Unterkunft in Laufweite schließlich nicht die schlechteste Idee und erspart Diskussionen ob das letzte Bier zum Fahren wirklich notwendig ist.

Happy wife, happy life.
Und vermutlich auch: Happy Stay ohne nächtliche Taxisuche.

Die größte Herausforderung des Tages wartete dann am Abend auf uns: einen Tisch für die ganze Truppe zu bekommen.

Das Tennisstübchen hatte geschlossen, anderen Restaurants waren wir schlicht zu viele. Die Absagerunde hätte vermutlich noch eine ganze Weile so weitergehen können, wenn uns Tilly nicht einen Tipp gegeben hätte. Tilly betreibt nicht nur den Fahrradverleih und eine Motorradwerkstatt, sondern ist gleichzeitig Präsi der Mönchgutbiker.

„Geht doch mal in den Kleinbahnhof. Aber geht selber hin und sagt schöne Grüße von mir.“

Gesagt, getan.

Da merkt man dann, dass Göhren am Ende eben doch ein Dorf ist – und dass persönliche Empfehlungen manchmal mehr bewirken als jede Reservierungs-App.

Der Tipp funktionierte jedenfalls wunderbar. Wir bekamen unseren Tisch und konnten den ersten Abend in großer Runde genießen. Endlich waren alle wieder zusammen, die Anreise war geschafft und der Regen vom Morgen längst vergessen.

Abgeschlossen haben wir den Tag mit einem leckeren Bierchen auf der Terrasse beim Präsi der Mönchgutbiker. Ganz gemütlich, um das Wiedersehen in Ruhe zu begehen.

Die Ruhe vor dem Sturm.

Denn morgen feiern die Möbis ihr zehnjähriges Bestehen – mit einer großen Party, allen Gästen und Urlaubern direkt an der Strandpromenade.

Aber dazu morgen mehr.

Tag 02 – Fischbrötchen, Seitenwind und eine legendäre Partynacht

Was für ein Tag.

Auf Rügen kann man eine erstaunliche Beobachtung machen: Ganz schön viele Urlauber leihen sich Fahrräder aus, um damit die Insel zu erkunden.

Einige können hervorragend damit umgehen.

Andere scheinen bereits mit der Tatsache überfordert zu sein, dass ein Fahrrad zwei Räder hat und gelenkt werden möchte.

Aber alle teilen sich mit uns die Straße.

Entsprechend vorsichtig ging es heute in Richtung Klein Zicker. Die Strecke führte über gute Straßen, unter Bäumen hindurch und immer wieder über lange, flache Abschnitte. Dort konnte der Seitenwind dann ungebremst zeigen, was er draufhatte.

Und er hatte einiges drauf.

Unser Ziel war der Imbiss am Bodden, den eine Freundin von uns betreibt. Nicht nur wir mögen diesen Platz. Auch viele andere kommen gern hierher, setzen sich ans Wasser und genießen bei herrlicher Aussicht eines der leckeren Fischbrötchen.

Die sind hier neben der Fischsoljanka eindeutig der Renner.

Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass die Brötchen warm gemacht werden. Warmes, knuspriges Brötchen, kalter Fisch – klingt zunächst nicht nach Küchenmagie, funktioniert aber verdammt gut.

Das Wiedersehen fiel entsprechend herzlich aus. Schließlich waren wir nicht zum ersten Mal hier. Schon während unserer Bikertour mit dem Bunker – der Dänemarktour 2026 – hatten wir an diesem Imbiss einen Stopp eingelegt.

Und weil es hier offenbar nicht nur uns gefällt, trafen wir auch noch einige unserer Jungs wieder, die zuvor bei der Bike Week in Faak gewesen waren.

Die hatten am Tag davor mal eben rund 1.700 Kilometer abgerissen, um direkt von Faak zum Event auf Rügen zu kommen. Zwar standen die Motorräder während der Fahrt hinten im Transporter, aber trotzdem:

Hut ab.

Screenshot

1.700 Kilometer an einem Tag fährt man nicht einfach so nebenbei weg. Erst recht nicht, wenn am Ziel schon die nächste Party wartet.

Der Imbiss am Bodden ist jedenfalls ein richtig guter Tipp. Ganz egal, ob man gezielt wegen der Fischbrötchen herkommt oder den Besuch mit einer Wanderung über die Halbinsel verbindet.

Wobei wir natürlich wegen der Landschaft dort waren.

Und ganz zufällig Fischbrötchen gegessen haben.

Anschließend nutzten wir am Ostseestrand noch die Gelegenheit, die letzten Sonnenstrahlen des Tages einzufangen. Einfach kurz sitzen, aufs Wasser schauen und ein bisschen runterkommen.

Viel Zeit blieb dafür allerdings nicht. Am frühen Abend begann direkt am Kurpavillon die Geburtstagsparty der Mönchguter Biker.

Liveband beim Mönchguter Bikertreffen an der Strandpromenade in Göhren auf Rügen

Livemusik beim Mönchguter Bikertreffen in Göhren

Zehn Jahre Möbis.

Und diese Party hatte es wieder einmal in sich.

Es wurde gelacht, getrunken und getanzt. Überall bekannte Gesichter, tolle Gespräche und dieses ganz besondere Gefühl, wenn aus vielen einzelnen Leuten für einen Abend eine große Runde wird.

Aus „Wir schauen nur mal vorbei“ wurde irgendwann Mitternacht.

Dann ein Uhr.

Dann zwei.

Den Rest kann man sich denken und bleibt privat.

Um halb vier krochen wir schließlich in unsere Betten. Müde, leicht angeschlagen, aber ziemlich glücklich.

Eine Partynacht, die wohl wieder einmal als legendär in die Bücher eingehen wird.

Und morgen?

Da folgt Tag zwei des eigentlichen Bikertreffens.

Tag 03 – 320 Motorräder, 100 Kilometer Rügen und Party bis der Strom ausgeht

Was für ein Tag.

Der Morgen begann allerdings deutlich weniger schwungvoll, als der vorherige Abend geendet hatte. Wir kamen nur schwer aus den Betten.

Sehr schwer.

Wie sollte die vergangene Nacht eigentlich noch getoppt werden?

Darüber konnten wir später nachdenken. Zunächst mussten wir uns wieder in halbwegs vorzeigbare Menschen verwandeln, denn um 12:30 Uhr sollte die große Rügenrundfahrt beginnen.

Also frisch gemacht, Motorradklamotten angezogen und das Bike gesattelt.

Abfahrt.

Unser erster Weg führte zur Tankstelle. Schließlich wollten wir die Ausfahrt mit einem vollen Tank beginnen. Eine grundsätzlich gute Idee, die ungefähr jeder andere Teilnehmer ebenfalls hatte.

Das Ergebnis war eine endlos lange Schlange.

Dieses Phänomen war uns schon bei den vergangenen Ausfahrten aufgefallen: Bis kurz vor zwölf fällt offenbar allen gleichzeitig ein, dass Fahrzeuge für gewöhnlich Kraftstoff benötigen. Ab zwölf Uhr – wenn der Sprit wieder teurer werden darf, reißt dieses Phänomen ab.

Wer hätte das gedacht?

Wir schauten uns das eine Weile an und entschieden dann, bis Bergen weiterzufahren. Dort kamen wir kurz vor zwölf an und gönnten der Road King noch einmal den guten Stoff: 102 Oktan.

Der Blick auf die Preisanzeige sorgte allerdings für leichte Schnappatmung.

2,85 Euro pro Liter.

Da fehlen einem einfach die Worte. Und wenn man doch welche findet, gehören die vermutlich nicht in einen Reiseblog.

Am Treffpunkt war bereits ordentlich Betrieb. Unsere Freunde von den Mönchgutbikern starten ihre großen Ausfahrten traditionell an dieser Tankstelle in Bergen. Die liegt ziemlich zentral auf der Insel, sodass die anreisenden Biker aus allen Richtungen ungefähr denselben Weg haben.

Gut gemacht.

Viele der Leute, mit denen wir am Abend zuvor noch bis tief in die Nacht gefeiert hatten, sahen ähnlich aus wie wir.

Ich nenne es einmal: gezeichnet von einer tollen Erfahrung.

Trotzdem waren viele pünktlich am Start. Rund 320 Motorräder hatten sich zur Rügenrundfahrt versammelt. Tilly und seine Mitstreiter hatten die Tour gemeinsam mit Polizei und THW abgesichert, damit der komplette Pulk möglichst geschlossen über die Insel fahren konnte.

Bei dieser Menge an Motorrädern ist das keine kleine Ausfahrt mehr.

Das ist Logistik mit V2-Sound.

Pünktlich setzte sich die Kolonne in Richtung Samtens in Bewegung. Auch das Wetter spielte mit: bewölkt, aber trocken. Für eine längere Rundfahrt eigentlich genau richtig.

Vor uns fuhren Motorräder.

Hinter uns fuhren Motorräder.

Und wenn man in den Rückspiegel schaute, wollte die Reihe einfach nicht abreißen.

Motorräder,

Motorräder,

Motorräder …

Mit dem gleichmäßigen Brummen der Motoren im Ohr ging es über die Rügener Landstraßen. Deren Oberflächenbeschaffenheit bot so ziemlich alles, was Straßenbaukunst im Laufe der Jahrzehnte hervorgebracht hat: vom groben Katzenkopfpflaster bis zur feinsten Asphaltpiste.

Abwechslung ist schließlich wichtig.

Die Route führte uns an Ralswiek vorbei und weiter in den Nationalpark Jasmund. Dort wechseln sich dichte Buchenwälder, Hügel und kleine Täler ab, bevor an der Küste weißer Kreidefels und blaues Meer aufeinandertreffen. Der berühmte Königsstuhl gehört zu dieser Landschaft; Teile der alten Buchenwälder sind sogar UNESCO-Weltnaturerbe. Viel Zeit zum Bewundern blieb im geschlossenen Pulk natürlich nicht. Aber selbst vom Motorrad aus hatte diese Strecke etwas Besonderes. (Nationalpark Jasmund)

Über Sassnitz, Binz und Sellin schlängelten wir uns schließlich wieder zurück nach Göhren. Nach etwa 100 Kilometern lag unser Ziel direkt an der Seebrücke.

Normalerweise stellt man sein Motorrad nicht einfach auf der Uferpromenade ab. An diesem Wochenende schon. Weil auch die Kurverwaltung mit im Boot war, durften die Bikes direkt hinunter zum Veranstaltungsgelände am Strand fahren.

Damit das Ganze ordentlich und gesittet ablief, wurde der große Pulk oben geteilt. Anschließend führte man uns in kleineren Gruppen hinunter zur Promenade.

320 Motorräder einfach Richtung Strand rollen zu lassen, wäre vermutlich ebenfalls ein Konzept gewesen.

Nur kein besonders gutes.

Ein Empfang direkt an der Seebrücke

Unten wartete bereits Jörg Lorenz und moderierte die Ankunft der einzelnen Gruppen. Er kennt die Motorradszene, moderiert entsprechende Veranstaltungen und ist beruflich mit Harley-Davidson verbunden. Entsprechend wusste er nicht nur, was dort gerade an ihm vorbeifuhr, sondern konnte den Besuchern auch Geschichten und Wissenswertes über die Motorräder und ihre Fahrer mitgeben.

Für die Urlauber an der Promenade war das vermutlich die beste Gelegenheit, einmal etwas mehr über die Bikes zu erfahren, als nur „laut“ und „glänzt schön“.

Für uns begann erst einmal das große Gewusel.

Motorrad abstellen. Helm wegpacken. Freunde suchen. Rein in die Meute.

Und dann dringend mit allen ein Kaltgetränk nehmen.

Wir können für uns sagen: Es fühlte sich richtig gut an. Rund 320 Motorräder waren gemeinsam etwa 100 Kilometer über die Insel gefahren – und alle kamen ohne Unfall wieder in Göhren an. Dazu hatten wir noch einige Ecken von Deutschlands größter Insel gesehen, die wir bisher nicht kannten.

Besser kann so eine Rundfahrt kaum laufen.

Bis der Strom ausgeht

Der Nachmittag verging wie im Flug. Motorräder anschauen, quatschen, alte Geschichten hören, neue Geschichten produzieren – dazwischen Bikerspiele und verschiedene Wettbewerbe.

Langweilig wurde es keine Minute.

Für den Abend war dann noch ein echtes Highlight angekündigt: Extasy, eine Coverband aus dem Stuttgarter Raum.

Die Band war schon im Jahr zuvor dabei gewesen, konnte damals wegen des Wetters und eines ziemlich knappen Zeitfensters aber nicht ihr komplettes Repertoire spielen. Dieses Mal sollte das anders werden.

Und diese verrückten Jungs samt Maike haben uns richtig eingeheizt.

Eine Kapelle zum Anfassen.

Keine abgehobene Show, keine künstliche Distanz – einfach Musik, Stimmung und eine Band, die genauso viel Spaß an diesem Abend hatte wie das Publikum.

Die Ansage war entsprechend eindeutig:

„Egal, was ist – für so ein geiles Publikum wie euch spielen wir, bis die Polizei kommt!“

Ganz erfüllt werden konnte das Versprechen nicht.

Die Polizei musste nämlich gar nicht kommen.

Kurz nach Mitternacht wurde einfach der Strom abgeschaltet.

Feierabend.

Wobei wir uns wirklich nicht beschweren konnten. Die Party durfte bereits eine Stunde länger laufen als ursprünglich vorgesehen. Dass so etwas mitten in einem Urlaubsort funktioniert, liegt vermutlich an der Mischung aus entspannten Bikern, gut gelaunten Urlaubern und einer Organisation, die genau weiß, was sie tut.

Wer einmal Hunderte Motorräder direkt am Meer erleben möchte, mit dem eigenen Bike an der Seebrücke parken und anschließend einen richtig guten Tag verbringen will, ist bei den Mönchgutbikern hervorragend aufgehoben.

Für uns steht jedenfalls fest: Dieses Treffen gehört wieder in den Zeitplan.

Zu Recht.

[Anfahrtroute zum Download]

[Die Rügenrundfahrt zum Nachfahren gibts hier – Download]

Tag 04 und 05 – Restbier, Ruhetag und ein Water-Road-Captain

Das war wieder eine sehr kurze Nacht.

Warum müssen Feiern mit Motorradfreunden eigentlich immer so lange dauern? Eine Frage, die einem zuverlässig am nächsten Morgen in den Sinn kommt. Am Abend vorher fragt man sich höchstens, warum die Zeit eigentlich so schnell vergeht.

Schon im vergangenen Jahr waren wir am Sonntag früh auf dem Festplatz gewesen, um ein bisschen mit anzufassen – falls irgendwo Hilfe gebraucht wird. So hielten wir es auch dieses Mal. Als wir ankamen, waren die Möbis natürlich längst beim Aufräumen. Ebenfalls genau wie im letzten Jahr.

Und wie im letzten Jahr bestand unsere Hilfe weniger im tatkräftigen Zupacken als vielmehr im moralischen Beistand. Bei den Jungs und ihren Mädels weiß schließlich jeder ganz genau, was wann, wo und wie zu tun ist. Zusätzliche Hände sind zwar willkommen, stehen aber gelegentlich auch einfach nur äußerst motiviert im Weg.

Also konzentrierten wir uns auf eine andere wichtige Aufgabe: den ersten Frühschoppen.

Der Bierwagen sollte schließlich leer zurückgegeben werden. Man muss Prioritäten setzen.

Während sortiert und aufgeräumt wurde, werteten wir gemeinsam den vergangenen Abend aus. Auch einige der Jungs von Extasy Pure Rock kamen noch dazu. Sie wollten erst am Montag abreisen und hatten es deshalb deutlich weniger eilig als der Rest.

Man kann es wirklich nur wiederholen:
Wenn ihr irgendwann die Chance habt, Maike und die Jungs auf einem Event zu erleben, dann geht hin und feiert mit ihnen. Herrliche Menschen. Auf der Bühne sowieso, aber eben auch danach, wenn die Verstärker ausgeschaltet sind und man einfach gemeinsam zusammensitzt.

Im vergangenen Jahr hatten sie für die Rückfahrt rund zehn Stunden gebraucht. Sonntag ist auf Rügen schließlich auch An- und Abreisetag. Dann wollen gefühlt alle gleichzeitig von der und auf die Insel, während sich der Verkehr auf den wenigen Hauptstraßen sammelt. Da wird aus einer überschaubaren Strecke schnell eine ausgedehnte Tagesveranstaltung.

Auch wir ließen das Bike stehen und den Sonntag ganz ruhig ausklingen. Nach zwei kurzen Nächten, einer 100-Kilometer-Rundfahrt mit 320 Motorrädern und ausreichend Partyprogramm war das vermutlich die vernünftigste Entscheidung.

Vernunft.

Kommt auch bei uns gelegentlich vor.

Am Montag war uns allerdings ebenfalls noch nicht nach Motorradfahren.

Jetzt werdet ihr vielleicht sagen: „Toller Motorradblog, wenn hier gar keine Tour beschrieben wird.“

Aber Rügen hat eben auch genug zu bieten, wofür man das Motorrad nicht unbedingt braucht. Und spätestens bei einer Schifffahrt zu den Kreidefelsen wäre es ohnehin schwierig geworden, die Harley sinnvoll einzusetzen. Wichtig war nur, dass das Moped währenddessen gut untergebracht war. Unsere Road King stand sicher am Hotel. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann auch das Parkhaus in Göhren nutzen.

Wir hatten die Tickets nicht vorab online gebucht, sondern unser „Beförderungsentgelt“ ganz klassisch direkt an der Seebrücke bezahlt. 76 Euronen kostete die Fahrt für uns beide. Dafür ist man gut fünf Stunden unterwegs und bekommt Rügen einmal von der Wasserseite präsentiert.

Verdursten muss dabei ebenfalls niemand. Die Bordküche war mit festen und flüssigen Mahlzeiten gut ausgestattet. Für uns war die Schifffahrt bei dem wechselhaften Wetter genau die richtige Entscheidung: Wenn es draußen angenehm war, standen wir an Deck. Wurde der Wind zu ungemütlich, gingen wir einfach hinein.

Passte also.

Unser Water-Road-Captain führte uns mit einem sympathischen polnischen Akzent und ziemlich spitzer Zunge durch die Fahrt. Neben den üblichen touristischen Informationen gab es auch persönliche Anmerkungen und gelegentliche Sinnfragen zu neueren Ideen und Umbauten auf der Insel – etwa zum LNG-Terminal oder zu den Fischereikontingenten.

Kein glattgebügelter Ansagetext vom Band.

Ein ganz normaler Mensch also.

Natürlich wäre auch der Königsstuhl ein schönes Ziel für eine Motorradtour gewesen. Dort waren wir allerdings bereits im vergangenen Jahr. Außerdem sollte man je nach gewählter Route noch einen Fußweg von ungefähr drei bis sieben Kilometern einplanen.

Danach war uns nun wirklich nicht.

Stattdessen blieben wir einfach an Bord, ließen uns den Wind um die Nase wehen und genossen den Blick auf die Kreidefelsen vom Wasser aus. Keine Kolonne, kein Zeitplan, keine Kurvenjagd. Nur Ostsee, Küste und ein Schiff, das für ein paar Stunden unseren Road Captain spielte.

Der motorradfreie Tag tat uns richtig gut. Er gab uns die nötige Zeit zur Regeneration nach einem wunderbar anstrengenden Wochenende.

Manchmal besteht die beste Motorradtour eben darin, das Motorrad sicher abzustellen.

06 – Endlich wieder Motorradfahren – zwischen Rügen-Markt, Boddenblick und edlen Tropfen

Endlich wieder Motorradfahren.

Allein dieser Satz fühlte sich nach den vergangenen Tagen schon verdammt gut an. Das Wetter versprach Sonne, das Motorrad wartete und wir hatten keine Lust auf große Experimente. Also beschlossen wir, ein paar bekannten Zielen in der Umgebung einen Besuch abzustatten.

Man muss das Rad ja nicht jeden Tag neu erfinden.

Hauptsache, es hat zwei davon.

Unser erstes Ziel war der Rügen-Markt in Thiessow. Für den normalen Rügen-Touristen ist der eigentlich immer eine Empfehlung wert. Rund 90 kleine Manufakturen, Händler und Kunsthandwerker bieten dort alles an, was man bis zu diesem Morgen noch nicht benötigt hat.

Dann sieht man es.

Und plötzlich braucht man es doch.

Zwischen regionalen Fisch-, Wild- und Fleischspezialitäten wechseln sich Honigstände, Handarbeitsbuden, Schmuck, Mode und die üblichen Mitbringsel ab. Wer ein passendes Andenken von der Insel sucht, wird hier ziemlich sicher fündig. Wer keines sucht, wahrscheinlich auch.

Dazu kommen reichlich Menschen und eine ordentliche Portion Fischhafenatmosphäre.

Mit dem Motorrad hat man immerhin einen kleinen Vorteil: Man kommt deutlich entspannter durch und kann theoretisch bis in die Nähe der Kaimauer fahren. Wir entschieden uns trotzdem dafür, unser Motorrad direkt im Dorf abzustellen. Damit sparten wir uns die Warteschlange vor dem Parkplatz und hatten gleichzeitig schon ein paar Schritte Bewegung auf dem Tageskonto.

Man weiß schließlich nie, was kulinarisch noch auf einen wartet.

Bei einer leckeren Erdbeerbowle saßen wir in der Sonne und sahen dem Treiben zu. Natürlich darf man vom Marktbesuch keine weltbewegenden Erkenntnisse erwarten. Aber mit einem kalten Getränk in der Hand, dem Hafen vor der Nase und genügend Menschen zum Beobachten lässt sich die Zeit erstaunlich gut vertrödeln.

Und genau dafür ist Urlaub schließlich da.

Unser nächstes Ziel war der schon erwähnte Imbiss am Bodden in Klein Zicker. Offenbar gibt es zwischen dem Rügen-Markt und dem Besucheransturm dort eine direkte Verbindung. Anders ließ sich der Betrieb um die Mittagszeit kaum erklären.

Dabei gibt es auf dem Markt nun wirklich genug zu futtern.

Aber gut.

Wenn der Imbiss voll ist, geht man eben erst einmal spazieren. Klein Zicker liegt schließlich nicht irgendwo, sondern direkt zwischen Boddenlandschaft und Ostsee. Also liefen wir ein Stück an der Steilküste entlang, ließen uns die Seeluft um die Nase wehen und tankten Sonne.

Keine schlechte Alternative zum Warten.

Die Runde durch den Ort ist überschaubar und lässt sich problemlos in Motorradsachen bewältigen. Vielleicht nicht unbedingt elegant, aber darum ging es ja nicht. Nach unserem kleinen Spaziergang kehrten wir bei Anne ein.

Nun darf natürlich nicht der Eindruck entstehen, unser Tagesablauf bestünde ausschließlich aus Fahren und Essen.

Manchmal laufen wir dazwischen auch ein Stück.

Eine Pause an diesem Ort ist einfach etwas Besonderes. Der Blick aufs Wasser, die Ruhe und das Gefühl, dass es gerade wirklich nichts Dringenderes zu erledigen gibt – genau solche Momente machen einen Urlaubstag aus.

Während wir dort saßen, kamen wir auf die entscheidende Frage des Tages: Welches halbwegs männertaugliche Mitbringsel könnten wir mit nach Hause nehmen?

Die Antwort lag eigentlich auf der Hand.

Eine Inselbrennerei.

Also wieder aufgesattelt und los.

Die Strecke führte uns zunächst durch den Kiefernwald hinter den Dünen und anschließend über freie Flächen nach Middelhagen und weiter in Richtung Alt Reddevitz. Dabei fährt man immer wieder dicht am Wasser entlang. Kleine Häuser, Wiesen, Boddenblick – und dazwischen Straßen, auf denen die Zeit ebenfalls stehen geblieben zu sein scheint.

Besonders der letzte Abschnitt machte das deutlich.

Die Straße bestand irgendwann hauptsächlich aus Betonplatten, deren Abstand vermutlich exakt für die Spurbreite eines alten Treckers berechnet worden war. Für unser Motorrad war dieses Maß eher eine unverbindliche Empfehlung.

Egal.

Befestigt ist befestigt.

Am Ziel entschädigte uns der Blick sofort. Von der Anhöhe bei Alt Reddevitz schaut man über die Hagensche Wiek, eine Bucht des Rügischen Boddens. Wasser, Wiesen und Himmel gehen hier fast nahtlos ineinander über. Ein Ort, an dem man automatisch etwas langsamer wird.

Mitten in dieser Landschaft steht die Störtebeker Brennerei in der ehemaligen „Strandburg“. Das Gebäude wurde 1904 als eines der ersten Hotels in Alt Reddevitz eröffnet, später als Ferienheim und Kinderferienlager der Deutschen Reichsbahn genutzt und stand nach der Wende lange leer. Ab 2005 wurde es umgebaut, seit 2006 entstehen dort handgemachte Spirituosen.

Heute gehören unter anderem Single-Malt-Whisky, Rum, Gin, Obstbrände, Geiste und Liköre zum Angebot.

Also genau das, was man unter einem vernünftigen Mitbringsel versteht.

Die Jungs dort oben verstehen ihr Handwerk. Wir schilderten kurz, wonach wir suchten, bekamen etwas zum Probieren und hatten ziemlich schnell die Gewissheit, dass unser Mitbringsel gut ankommen würde.

Man hätte dort problemlos noch sehr viel mehr Zeit verbringen können.

Allerdings sprach ein wichtiges Argument dagegen: die eigene Sicherheit. Wenn man erst einmal anfängt, sich bei schönstem Sonnenschein durch sämtliche edlen Tropfen zu kosten, entwickelt sich der Rückweg möglicherweise zur längsten Betonplattenetappe der gesamten Reise.

Also beließen wir es bei einer kleinen Kostprobe und packten unseren Einkauf ein.

Vernunft kann manchmal überraschend erwachsen aussehen.

Wir wollten schließlich noch nach Sellin. Schon die Strecke dorthin ist herrlich, und der Ort selbst bildet einen ziemlich deutlichen Gegensatz zu den kleinen Dörfern abseits des großen Touristentrubels.

Gerade eben noch Betonplatten, Wiesen und Boddenruhe.

Dann Sellin.

Die prachtvolle Bäderarchitektur entlang der Wilhelmstraße kann sich allerdings wirklich sehen lassen. Die weißen Fassaden, Balkone, Veranden und Türmchen geben dem Ort seinen ganz eigenen Charakter. Hier lohnt es sich, das Motorrad abzustellen und einfach ein Stück zu Fuß zu gehen.

Vielleicht mit dem einen oder anderen Heißgetränk zwischendurch.

Einfach mal die Seele baumeln lassen.

Ganz abschalten konnte ich allerdings nicht. Während der Fahrt war mir immer wieder ein Geräusch aufgefallen, das dort definitiv nicht hingehörte. Es kam regelmäßig, ließ sich aber nicht eindeutig zuordnen.

Das ist beim Motorrad ungefähr so beruhigend wie die Kontrollleuchte, die nur gelegentlich blinkt.

Also rief ich bei „Tilly“ an und schilderte das Problem. Er schlug ohne großes Zögern vor, das Motorrad am Abend zu ihm zu bringen. Da für den nächsten Tag ohnehin Regen angesagt war, passte das perfekt.

Und es zeigte wieder einmal, dass die Freundschaft zwischen uns und den Mönchgutbikern kein Lippenbekenntnis ist.

Danke noch mal dafür.

Am Abend brachte ich das Motorrad vorbei. Natürlich blieb es nicht bei einer schnellen Übergabe. Wir quatschten noch eine ganze Weile, bevor wir den Tag mit guten Freunden ausklingen ließen.

Sonne, Motorrad, Boddenblick, ein brauchbares Mitbringsel und Hilfe genau dann, wenn man sie braucht.

So macht Urlaub Spaß.

07 – Regentag, Werkstattbesuch und ein verdächtiges Geräusch

Der Mittwoch begann genauso, wie es die Wetter-App angekündigt hatte.

Regen.

Und weil Regen und Regeneration schon sprachlich erstaunlich nah beieinanderliegen, machten wir genau das: nichts, was unnötig anstrengend gewesen wäre.

Unser Hotel bot dafür reichlich Möglichkeiten. Hier muss man wirklich sagen, dass Stephie über Booking etwas ganz Feines gefunden hatte. Wenn das Wetter draußen ohnehin keinen Zweifel daran ließ, dass heute kein großer Ausflug auf dem Programm stand, konnte man es sich wenigstens drinnen gut gehen lassen.

Manchmal braucht es im Urlaub eben keinen ausgefeilten Tagesplan.

Manchmal reicht ein Dach.

Am Nachmittag konnte ich die Road King bei Tilly abholen. Das Geräusch, das mir am Vortag aufgefallen war, hatte sich bei ihm natürlich nicht gezeigt.

Wer kennt das nicht?

Kaum steht das Fahrzeug in der Werkstatt, funktioniert alles vollkommen normal. Kein Klappern, kein Rasseln, kein verdächtiger Ton. Wahrscheinlich hatte ich einfach ein Geräusch gehört, das schon immer da gewesen war – nur eben bislang erfolgreich von mir ignoriert wurde.

Tilly konnte jedenfalls nichts Auffälliges finden. Zur Sicherheit wechselte er das Primäröl. Damit war die Sache fürs Erste erledigt, auch wenn ich natürlich weiter ein Ohr darauf haben würde.

Viel wichtiger war allerdings etwas anderes.

Tilly bemerkte, dass sich das Röhrchen am Benzinhahn gelöst hatte und der Benzinhahn tropfte. Er klebte das Röhrchen wieder ein und beseitigte damit ein Problem, das mir bis dahin überhaupt nicht aufgefallen war.

Im Nachhinein ergab allerdings einiges Sinn. Schon bei unserer Tour nach Prag hatte ich ein paar Flecken auf dem Gehäusedeckel entdeckt, mir dabei aber keine großen Gedanken gemacht.

Flecken lassen sich schließlich wegwischen.

Außerdem bin ich eher Nutzer als Schrauber. Solange das Motorrad fährt und keine wichtigen Teile während der Fahrt die Reisegruppe verlassen, neige ich nicht sofort zur technischen Ursachenforschung.

In diesem Fall war es gut, dass jemand genauer hingesehen hatte.

Das vermeintlich verdächtige Geräusch blieb also ungeklärt. Dafür war ein echtes Problem gefunden und behoben worden.

Auch eine Art Erfolg.

Erst einmal war ich beruhigt. Die Road King lief, der Benzinhahn war wieder dicht und das Geräusch würde ich weiter beobachten – beziehungsweise belauschen.

Am Abend stand noch der kluboffene Abend bei den Mönchgutbikern auf dem Programm. Nach einem ruhigen Regentag und der erleichternden Rückkehr der Road King war das genau der richtige Abschluss.

Ein bisschen zusammensitzen, quatschen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen.

Der Mittwoch war damit zwar kein klassischer Urlaubstag voller Kilometer und Sehenswürdigkeiten.

Aber manchmal sind gerade die ruhigen Tage wichtig.

Für Mensch und Maschine.

Tag 08 – Rügens wilder Norden – zwischen V2-Sound, Feuer und Regentropfen

Für unseren letzten Tag auf Rügen hatten wir uns noch einmal etwas Größeres vorgenommen.

Die gemeinsame Ausfahrt beim Bikertreffen hatte unsere Neugier auf den Nordwesten der Insel geweckt. Bislang waren wir mit unseren Jungs und Betti von der Bobbergarage meistens rund ums Mönchgut unterwegs gewesen. Eine wunderschöne Gegend, keine Frage.

Aber Rügen ist groß genug, um auch nach mehreren Besuchen noch weiße Flecken auf der persönlichen Landkarte zu haben.

Also sollte es diesmal in Richtung Nordwesten gehen.

Noch keine zehn Minuten unterwegs

Kurz vor Baabe standen wir plötzlich im Stau.

Na toll.

Noch keine zehn Minuten gefahren und schon standen wir. Weil die Straße bei Gegenverkehr zu eng war, gab es auch mit dem Motorrad kein vernünftiges Vorbeikommen. Also rückten wir mit dem Dickschiff im Schritttempo immer ein kleines Stück weiter.

Kupplung ziehen.

Rollen.

Stehen.

Kupplung ziehen.

Urlaub kann so abwechslungsreich sein.

Zunächst vermuteten wir eine Baustelle als Ursache. Doch die Baustelle war überhaupt nicht das Problem. Als wir näher kamen, sahen wir Rauch, Blaulicht und jede Menge Einsatzfahrzeuge.

Der Lidl-Markt in Baabe stand in Flammen.

Wie später berichtet wurde, war am frühen Morgen eine starke Rauchentwicklung gemeldet worden. Innerhalb kurzer Zeit stand die Filiale vollständig in Brand. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Stunden. Neben der Feuerwehr aus Baabe waren weitere Wehren der Umgebung im Einsatz. Zum Glück konnten sich die Menschen aus dem Markt retten. (Ostsee-Zeitung)

Als wir die Stelle passierten, waren die Einsatzkräfte noch mitten in der Arbeit.

In solchen Momenten wird einem wieder bewusst, was die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren leisten. Sie lassen alles stehen und liegen, wenn andere Hilfe benötigen – während der Rest von uns im Stau sitzt und sich zunächst darüber ärgert, nicht schneller voranzukommen.

Danke dafür.

V2-Sound spaltet die Gemüter

Hinter Baabe löste sich der Verkehr wieder auf und mit ein bisschen Sonne ging es weiter durch Binz.

Dort zeigte sich einmal mehr, dass ein Motorrad mit ordentlichem V2-Sound nicht ausschließlich Freunde hat. Schon von Weitem fiel uns eine junge Frau auf, die sich sehr demonstrativ die Ohren zuhielt.

Die Begeisterung über unsere Anwesenheit hielt sich offenbar in engen Grenzen.

Ein paar Kilometer später erlebten wir in Sassnitz das genaue Gegenteil. Dort stand ein Mann im Anzug am Straßenrand, sah uns kommen, grinste und zeigte deutlich den Daumen nach oben.

So ist das nun einmal mit Motorrädern.

Manche finden sie doof.

Andere bekommen schon beim Klang gute Laune.

Wir gehören überraschenderweise zur zweiten Gruppe.

Mit ein paar Regentropfen auf der Sonnenbrille ging es durch den Nationalpark Jasmund und anschließend weiter in Richtung Glowe und Juliusruh. Dort führt die Straße über die Schaabe – eine fast zwölf Kilometer lange und nur etwa 600 bis 2.000 Meter breite Nehrung. Sie verbindet die Halbinsel Jasmund mit Wittow und trennt gleichzeitig die offene Ostsee vom Großen Jasmunder Bodden und vom Breeger Bodden.

Auf der einen Seite Wasser, auf der anderen ebenfalls Wasser – dazwischen Wald, Dünen und eine Straße.

Mehr Rügen geht kaum.

Unser eigentliches Ziel war die Westküste. Die Landschaft dort unterscheidet sich deutlich vom hügeligeren Mönchgut. Alles wirkt flacher und weiter, aber keineswegs weniger interessant.

Auch die Straßenbeläge sorgten weiterhin für Abwechslung.

Einige Abschnitte sahen aus, als hätten sie bereits mehrere politische Systeme überlebt. Ob wir tatsächlich noch auf originalem DDR-Straßenbelag unterwegs waren oder ob das Ganze sogar noch älter war, ließ sich während der Fahrt nicht eindeutig feststellen.

Es fühlte sich jedenfalls historisch an.

Die Road King nahm es gelassen. Nach dem Werkstattbesuch am Vortag hörte ich allerdings besonders aufmerksam hin. Das verdächtige Geräusch blieb zum größten Teil unauffällig – oder ich hatte endlich aufgehört, jedes mechanische Lebenszeichen als nahenden Motorschaden zu interpretieren.

Dranske – Wasser auf beiden Seiten

Unsere Runde führte uns weiter nach Dranske. Der Ort liegt auf der Halbinsel Wittow zwischen der Ostsee und dem Wieker Bodden. Ganz falsch war unser Eindruck also nicht: In dieser Ecke ist Wasser tatsächlich auf beiden Seiten nie besonders weit entfernt. (Gemeinde Dranske)

Wir schauten uns ein wenig um und stellten das Motorrad direkt am Boddenufer ab. Der Blick übers Wasser, die flache Landschaft und die Ruhe bildeten einen deutlichen Gegensatz zu den großen Ostseebädern.

Kein Gedränge.

Keine Bäderarchitektur.

Dafür Wind, Wasser und viel Platz zum Gucken.

Manchmal braucht es nicht mehr.

Von Dranske aus hätten wir die gesamte Strecke über Juliusruh und Glowe zurückfahren können. Darauf hatten wir allerdings wenig Lust. Viel reizvoller war die Wittower Fähre.

Die kleine Autofähre verbindet die Halbinsel Wittow mit dem Rügener Kernland und setzt über den Rassower Strom – die schmale Wasserverbindung zwischen Wieker und Breetzer Bodden. Für eine Inselrunde ist sie eine wunderbare Abkürzung. (Rügen Tourismus)

Außerdem gehört eine Fährfahrt mit dem Motorrad irgendwie dazu.

Auch wenn sie nur kurz ist.

Inzwischen hatten sich die Wolken immer dichter zusammengezogen. Zwischendurch ließ sich zwar noch die Sonne blicken, doch immer wieder landeten neue Regentropfen auf der Brille.

Damit wurde es Zeit, unseren ursprünglichen Plan zu überdenken.

Eigentlich wären wir gern noch weiter an der Westküste entlanggefahren. Die Gegend hatte uns neugierig gemacht und bot genug kleine Straßen, um dort noch einige Stunden zu verbringen.

Allerdings wollte ich auf keinen Fall nass werden.

Aufgrund der Wettervorhersage hatte ich mich lediglich für einen Hoodie entschieden. Eine hervorragende Wahl – solange es trocken blieb.

Wasserdicht war an diesem Plan hauptsächlich der Optimismus.

Also änderten wir die Route und fuhren in Richtung Ralswiek. Dort befindet sich die Naturbühne der Störtebeker-Festspiele, auf der seit 1993 die Geschichten des berühmten Seeräubers erzählt werden.

Ich wollte mir wenigstens einmal den Ort anschauen, auch wenn kein Festspielbesuch geplant war. Also legten wir am Hafen einen Zwischenstopp ein. Dort gibt es einen großen Parkplatz, direkten Blick aufs Wasser und einen Imbisskutter.

Eine Kombination, gegen die grundsätzlich wenig einzuwenden ist.

Lange hielten wir uns trotzdem nicht auf. Die Wolken wirkten mittlerweile entschlossener als wir, und gegen eine ausgewachsene Regenfront, die sich ankündigte, hätte mein Hoodie argumentativ wenig entgegenzusetzen.

Also legten wir einen Zahn zu und machten uns auf den Weg zurück in Richtung Urlaubsdomizil.

Die Straßen waren wieder genau das, was wir an Rügen inzwischen so schätzen: abwechslungsreich, manchmal etwas rustikal und eingebettet in eine Landschaft, bei der hinter jeder Kurve etwas Neues auftauchen kann.

Ein kleines Dorf.

Ein Boddenblick.

Eine alte Allee.

Oder Straßenbelag mit historischem Kennzeichen.

Gerade abseits der bekannten Ostseebäder zeigt die Insel ihre ruhigen Seiten. Dort, wo keine großen Hotels stehen und sich der Verkehr auf wenige Fahrzeuge reduziert, macht das Fahren besonders viel Spaß.

Am Ende hatten wir längst nicht alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten. Die Westküste musste wetterbedingt kürzer ausfallen, als uns lieb war.

Aber das ist nicht schlimm.

Dann haben wir wenigstens einen Grund, wiederzukommen.

So eine Inselrunde ist schon etwas Feines.

Und diese war ganz sicher nicht unsere letzte.

[Die Rundtour zum Download]

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